Was bringe ich mit?

Vernetzt ist unsere Welt seit jeher und seit der Erfindung des Computers und des Internets immer mehr. Ein systemischer Blick auf das Sein, auf die menschlichen Lebensbedingungen macht bewusst, wie umfassend wir von vielfältigen Faktoren, Umständen, Zufällen und vielem mehr geprägt sind und wie unterschiedlich daher unsere Sichtweisen, Überzeugungen und Wahrheiten sind. Für die eine erscheint dies wahr und richtig, für die andere erscheint das wahr und richtig zu sein.

Wenn wir in Kommunikation mit anderen treten, bringen wir folgende Bestandteile zu diesem Prozess mit:

  • den Körper,
  • die Sinnesorgane, die es ermöglichen zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu riechen, zu berühren und zu empfinden,
  • die Fähigkeit zu sprechen, unsere Wörter und unsere Stimme,
  • das Gehirn mit all dem erworbenen Wissen,
  • die in der Vergangenheit aus Erfahrungen gesammelten Erwartungen,
  • die Werte und die Überlebenskonzepte (die „Sollte“ und „Müsste“ für uns selbst und andere).

 

persönliches Gepäck

Jede von uns bringt also einen prall gefüllten Rucksack mit ihrem persönlichem Gepäck mit, ihre persönlichen Filter, die die Wahrnehmung beeinflussen, ihre Brillen, durch die sie die Welt sieht:

  • Wo bin ich geboren? In welcher Zeit und Kultur lebe ich? Wie ist/war meine Herkunftsfamilie? Wie sind meine Gene beschaffen?
  • Welche Emotionen verknüpfe ich mit bestimmten Situationen? Welche Assoziationen habe ich?
  • Welche Erfahrungen habe ich gemacht?
  • Und welche Erwartungen ergeben sich aus all dem?
  • Welche Muster, welche (Lebens-)Regeln, welche Überzeugungen werden/wurden mir mit auf den Weg gegeben? Wie schaut mein Wertebild aus?

 

Programme in Kopf

Wirklichkeit wahrzunehmen, ist somit keine ganz einfache Sache, zwischen uns und der „Wirklichkeit“ liegen biologische (Sinnesorgane) und psychologische Filter. Wenn wir eine Vorstellung und/oder Erwartungshaltung von etwas haben, sehen wir nur noch das, was in diese Vorstellung hineinpasst. Es sind tausende Dinge da, die wir wahrnehmen könnten, aber es ist uns lediglich möglich, einen Bruchteil herauszupicken. So filtern wir das heraus, was in unsere Vorstellungen und Erwartungen hineinpasst und blenden den Rest aus.

BEISPIEL: Drei Personen gehen durch eine Stadt. Die eine sieht nur Mädchen, die zweite sieht nur Gebäude, weil sie Architektur interessiert, und die dritte sieht nur Autos.

 

Im Vakuum existiert weder gut noch schlecht, weder richtig noch falsch, Bewertungen gibt es immer nur in Bezug auf die Programme in unserem Kopf.

BEISPIEL: Anti-Freude-Programm
Eine Mutter hört ihr Kind im Zimmer lachen und fragt sofort nach: „Ich dachte, du machst Hausaufgaben?“

 

Woher weiß die Mutter das? Sie hat das Verhalten per Imitation übernommen. Sie hat in ihrer Kindheit beobachtet, wie sich Erwachsene verhalten haben, wenn sie etwas taten, das im weitesten Sinne Arbeit genannt wird – dann waren sie ernst, verbissen, verkrampft, man durfte sie nicht ansprechen. Irgendwann hat die Mutter gelernt, dass Hausaufgaben in die Kategorie Arbeit gehören und demzufolge auch etwas Ernstes sind. Somit ist die einzige valide Schlussfolgerung, dass das Kind aufgehört hat zu arbeiten (Hausaufgaben zu machen), wenn es lacht. Beides gleichzeitig ist nicht denkbar – das widerspricht ihrem Programm.

Wenn sich jemand anders verhält, als es unsere Programme erlauben, dann bekommen wir Angst. Alles, was von unserer Norm abweicht, verunsichert uns, ist entweder kriminell oder krank oder …. Eine Person, die ganz alleine für sich laut und herzlich lacht, ist uns höchst suspekt und wenn diejenige in unregelmäßigen Abständen weiterlacht, ruft eventuell jemand einen Krankenwagen.

 

 

 

Birkenbihl, Vera Felicitas: Wie funktioniert Dein Kopf?
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Persönlichkeit, Programme im Kopf, Was bringe ich mit?