Was kann ich verstehen? | Inselmodell

Das INSELMODELL ist eine Metapher von Birkenbihl, welche davon ausgeht, dass jeder Mensch in (nicht auf, da wir sie nicht verlassen können) einer unsichtbaren Insel lebt. Diese Insel enthält all unsere Erinnerungen, Hoffnungen, Ängste, Meinungen sowie aus der Vergangenheit geprägte Programme (Erziehung, Erfahrungen usw.). In der Gegenwart enthält sie den Zustand, in dem wir uns gerade befinden (z.B. Stress-Hormone) und in der Zukunft unsere Ängste und Hoffnungen.

Wer besser kommunizieren will, darf nicht auf seiner eigenen Insel sitzenbleiben. Er muss versuchen, mit den Inseln der anderen Überschneidungen zu finden.

Wir haben nicht gelernt zu respektieren, dass andere Menschen andere Inseln haben und diese genauso lieben wie wir unsere.
Vera F. Birkenbihl

Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, können sich entweder die Inseln in dem Punkt, um den es gerade geht (Momentaufnahme, psychologischer Schnappschuss) überschneiden oder auch nicht. Wenn es Überlappungen gibt, sind wir uns einig, dann fällt es uns leicht, mit der anderen zu kommunizieren, da wir die Dinge ähnlich sehen. Je größer die eigene Insel ist, desto mehr Überschneidungen können sich mit unserem Gegenüber ergeben. Interessanterweise empfinden die meisten Menschen ein Gespräch, bei dem es im Grunde nur darum geht festzustellen, dass Überschneidungen existieren, spannend, halten es für konstruktiv und empfinden die Gesprächspartnerin intelligent und sympathisch.

Meistens sind die Erfahrungen, Ziele und Einstellungen der Gesprächspartnerinnen jedoch unterschiedlich. Es gibt keine Überschneidung und somit eine große Distanz – diese zu überwinden, ist äußerst schwierig. Die wenigsten von uns haben in ihrer Erziehung gelernt zu respektieren, dass andere Menschen andere Inseln haben und diese genauso lieben wie wir unsere. Daher neigen wir dazu, entweder aneinander vorbeizureden (inhaltlich überhaupt keine Verbindung), gegeneinander zu reden (Kampf), voneinander wegzureden (Flucht) oder Mischtypen davon anzuwenden.

 

Für ein erfolgreiches Gespräch ist es notwendig, eine Brücke zur Insel des anderen zu bauen. Diese Brücke wäre dann die gemeinsame Basis, auf welcher die Gesprächspartnerinnen miteinander kommunizieren können, auch wenn viele Insel-Inhalte anders sind und anders bleiben. Wenn der Brückenbau unmöglich ist, sollten wir uns einig sein, dass wir in dem Punkt keine Einigung brauchen/erlangen, anstatt uns zu entzweien.

 

Wenn wir es schaffen, die Gedanken zu fassen: „ihre Insel, meine Insel“ und „sie hat ein Recht, ihre Insel genauso legitim zu finden wie ich meine“, werden wir weit weniger abweisend, verurteilend und beleidigend mit unseren Mitmenschen (und uns) umgehen. Gute Kommunikation beginnt dort, wo Distanz überwunden und Brücken gebaut werden.

Um so kleiner die Insel, in der wir leben, um so schwieriger ist es, Überlappungen zu finden oder Brücken zu bauen. Deshalb ist die wirksamste Methode, unser Kommunikationsverhalten zu verbessern, die Erweiterung der Insel. Das passiert durch neue Erfahrungen, neues Wissen, Weiterbildungen und den gezielten Austausch mit anderen Meinungen, Erfahrungen und Glaubenssätzen. Dabei ist es notwendig, geduldig und ausdauernd zu sein, da wir Zeit brauchen, um neue Erkenntnisse, die vielleicht sogar im Gegensatz zu unserem bisherigen Leben stehen, in unser Weltbild einzubinden.

Vera F. Birkenbihl: Youtube: Wie funktioniert Dein Kopf?
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Birkenbihl, Inselmodell, Was kann ich verstehen?